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«Ein Herzensprojekt» - Interview mit Projektentwicklerin Christine Fluri

26.02.2026
Für jene, die sie noch nicht kennen: Christine Fluri ist Projektentwicklerin bei Swiss Life, der Eigentümerin der Siedlung. Das heisst, sie steuert das Projekt – von der ersten Idee bis zur Baubewilligung als Bauherrenvertreterin. Im Gespräch erläutert sie, was das Projekt so speziell macht für sie.

Warum ist die Weiterentwicklung der Fadmatt ein besonderes Projekt?

Die Fadmatt ist mit ungefähr 300 Bewohnerinnen und Bewohnern eine wichtige Siedlung für die Swiss Life. Jetzt bietet sich die Chance, an einer guten und beliebten Wohnlage zusätzlichen und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen. Gerade wegen ihrer Grösse hat die Dekarbonisierung - also der Ersatz von Gasheizungen durch erneuerbare Energie einen spürbaren Effekt und leistet einen wichtigen Beitrag zu unseren Nachhaltigkeitszielen.
Für mich persönlich ist es ein Herzensprojekt – eines, das mich seit meinem ersten Arbeitstag bei der Swiss Life begleitet.
Ganz zentral ist für uns dabei: Alle heutigen Bewohnerinnen und Bewohner sollen in der Fadmatt bleiben können, wenn sie das möchten. Dieses Ziel wird den ganzen Prozess prägen – von der Planung bis zur Umsetzung.

Was wurde im Planungsprozess bewusst anders gemacht als bei vergleichbaren Projekten?

Entscheidend war, dass wir alle Stakeholder sehr früh einbezogen haben. Bereits vor dem Wettbewerbsverfahren fanden Quartierrundgänge mit den Bewohnerinnen und mit den Nachbarn statt, und auch mit den Behörden suchten wir früh den Austausch – bereits mit den ersten Projektskizzen.

Am Studienauftrag waren fünf Teams beteiligt. Wie wurde das Siegerprojekt ausgewählt – welches Kriterium war am Ende ausschlaggebend?

Das Projekt des Siegerteams Hildebrand Studios und BÖE studio schafft es mit grosser Selbstverständlichkeit, den Charakter der Siedlung zu bewahren – obwohl der Wohnraum verdoppelt wird. Möglich wird das, weil sie zum Teil zwei statt nur ein Geschoss aufgestockt wird – was die Jury des Studienauftrags rasch überzeugt hat, weil so mehr Grünraum erhalten werden kann.
Auch die Umgebungsgestaltung spielt eine grosse Rolle: Vielfältige Aussenräume bieten Möglichkeiten für unterschiedlichste Bedürfnisse. Ein schönes Beispiel ist der Erhalt der Fussballwiese: von den Quartierrundgängen wussten wir, dass sie ein zentraler Treffpunkt für Kinder aller Altersgruppen ist. Deshalb haben wir den ursprünglichen Plan verworfen, dort ein neues Gebäude zu platzieren.

Die Bewohnerinnen können in der Siedlung bleiben. Wie erreichen Sie dieses wichtige Ziel?

Erst mal wird der Bestand erhalten. Nur drei Wohnungen müssen zurückgebaut werden. Für die Bewohnerinnen dieser Wohnungen werden Lösungen auf dem Areal selbst gefunden. Die bestehenden Wohnungen werden bewusst sanft saniert, und dank der etappierten Bauweise sind Rochaden möglich: Wer möchte, kann vor der Sanierung in eine Neubauwohnung ziehen - für die Bewohnerinnen gilt ein Vormietrecht für die neuen Wohnungen.
Wir planen auch einen Anteil preisgünstiges Wohnen, und zwar mehr als von der Gemeinde verlangt wird.

Die Transformation der Fadmatt betrifft sehr unterschiedliche Menschen. Wie stellen Sie sicher, dass die Bedürfnisse aller Interessengruppen berücksichtigt werden?

Angefangen bei den Quartierrundgängen über interaktive Informationsveranstaltungen und Einzelgespräche stehen wir mit Bewohnern, Nachbarinnen und Behörden fortlaufend im Dialog.

Wie dürfen wir uns diesen Dialog konkret vorstellen?

Wir sind über verschiedene Kanäle erreichbar, bespielen Kommunikationsmittel wie die Website oder das Fadmattblatt oder organisieren Workshops.
Und vielleicht das Wichtigste: Wir als Bauherrin sind an diesen Veranstaltungen immer persönlich vor Ort - je nach Thema gemeinsam mit Architektin, Landschaftsarchitektin oder dem Gesamtleister. So kann ein direkter Austausch stattfinden, der das gegenseitige Verständnis fördert.

Können Sie mir ein Beispiel nennen für ein Anliegen der Bewohnerinnen, das in die Planung aufgenommen wurde?

Im Workshop zum Aussenraum letzten November wurde zum Beispiel der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Dachterrasse geäussert. Der Gestaltungsplan war eigentlich schon fertig. Doch wir haben umgehend Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen und innerhalb von zwei Tagen entschieden, dass eine solche Terrasse als Option im Gestaltungsplan aufgenommen wird.

Eine Entwicklung dieser Grössenordnung wirkt über die Siedlung hinaus. Bringt das Projekt auch der Nachbarschaft und der Gemeinde etwas?

Mit zusätzlichen Wegen durch die Siedlung wird die Verbindung zum Bahnhof und zu den Schulen für die Nachbarschaft verbessert. Ausserdem entsteht vielfältiger, neuer Wohnraum und es wird ein Kindergarten in die Siedlung integriert.

Es werden zusätzliche Gebäude gebaut. Oft leidet darunter die Natur. Gerade in der Fadmatt ist eine reiche Artenvielfalt vorhanden, die über eine lange Zeit gewachsen ist. Wie gehen Sie damit um?

Entscheidend ist, dass wir sehr sorgfältig planen. Wir haben eine Artenerhebung machen lassen – die Vielfalt in der Siedlung ist tatsächlich grösser als in manchem Naturschutzgebiet.  Der Aussenraum wird so gestaltet, dass diese Vielfalt erhalten bleibt und gestärkt wird. Zudem haben wir ein Baumkataster erstellt, um möglichst viele – teils alte – Bäume zu erhalten. Der bestehende Aussenraum wird aufgewertet, zum Beispiel durch Entsiegelung und die nötige Erweiterung der Tiefgarage wird unter der Fussballwiese gebaut, damit der Einfluss auf die vorhandene Natur minimiert werden kann

Und zum Schluss: Was macht Ihnen bei diesem Projekt am meisten Freude?

Mich freut am meisten, dass die Bewohnerschaft bleiben kann, und gleichzeitig mehr Wohnraum mit neuen Bewohnerinnen entsteht. Für mich hat dieses Projekt Modellcharakter und zeigt, wie man künftig solche Entwicklungen angehen sollte.